So. Dez 8th, 2019

80 Cent sind nicht zumutbar!

Was wir von vielen Großveranstaltungen kennen, nämlich dass die Eintrittskarte zur Nutzung des Öffentlichen Verkehrs berechtigt, gilt für alle Veranstaltungen der Stadttochter Messe Essen fortan nicht mehr. Ruhrbahn und Messe Essen konnten sich nicht auf eine Fortsetzung der bisherigen vertraglichen Vereinbarungen verständigen. Wer also künftig eine Messe in Rüttenscheid besucht, muss den vollen Betrag für die Nutzung von Bussen und Bahnen zahlen … oder er kommt mit dem Auto. 1,5 Millionen Menschen besuchen nach Eigenaussage jährlich Veranstaltungen der Messe. Man stelle sich den Beitrag zu einer Verkehrswende vor, wenn die alle oder wenigstens überwiegend mit den Öffentlichen kämen, weil sie ohnehin schon dafür bezahlt haben und es auch viel bequemer ist. Aber: Wir erleben ein weiteres Mal, wie die von allen ersehnte Verkehrswende auf dem Rücken der Nachbarn und aller betroffenen Menschen vertagt wird. Und das – so lässt sich die Messeleitung zitieren –, weil „der Messemarkt die Kosten nicht zulässt“. Mit anderen Worten, die Messe Essen ist sich nicht zu blöde zu behaupten, dass 80 Cent – das ist nach der Berichterstattung in der lokalen Presse der Preis, der von der Messe an die Ruhrbahn pro Ticket zu zahlen ist – dazu führen würde, dass Menschen nicht nach Essen zur Messe kämen, sondern anderswohin. Das ist für sich schon dämlich, weil Messen ja immer erst mal einmalige Ereignisse sind (und nicht wie Kaufhof oder Karstadt überall identische Sortimente haben). Außerdem liegt der Preis für eine Eintrittskarte meistens im zweistelligen Eurobereich. Vor allem aber erhöhen sich die objektiven Kosten für die Kunden drastisch, wenn sie fortan ihr Ruhrbahnticket gesondert kaufen müssen.

Die eigentliche Frechheit ist aber, dass damit ein weiterer Impuls gesetzt wird, mit dem Auto anzureisen, das dann nicht nur Schadstoffe ausstößt und die Straßen weiter belastet, sondern natürlich auch möglichst kostengünstig abgestellt werden will und so ein weiteres Mal zum Nachteil der Menschen gereicht, die in der größeren Nachbarschaft wohnen.

Richtig wäre es, wenn die Stadt ihrer Tochter sagen würde, dass sie den Beitrag zur Verkehrswende zu leisten habe, den sie leisten kann. In anderen Städten funktioniert das längst sehr gut. In Köln z.B. ist nicht nur das Ticket der KVB, sondern gleich des ganzen Verkehrsverbundes (VRS) im Ticketpreis enthalten. Die Stadt Essen macht sich ein weiteres Mal unglaubwürdig, wenn sie es ihrer Tochter einfach so durchgehen lässt, dass sie ihre behauptete Marktposition auf Kosten der Menschen in Essen und Rüttenscheid verbessern will.

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