Mittwoch, 30. September 2020

Die Luft wird dünn

Beim letzten Kommentar schrieb ich: „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kommen sie, die Fahrverbote.“ Da war noch nicht mit der Reaktion der Großen Koalition auf Bundesebene zu rechnen, lieber die geltenden Grenzwerte per Gesetz aufzuweichen, als sich wirklich um die Gesundheit der Menschen zu sorgen. Übrigens nicht nur mit den Stimmen von CDU und SPD, sondern auch von FDP und AfD.

Darauf wollte sich offenbar auch die Große Koalition in Essen ausruhen. Doch nun haben wir es schwarz auf weiß: die Schadstoffbelastung steigt wieder, die Alfredstraße wird zum Brennpunkt. Die Luft wird dicker, oder anders gesagt: Die Luft für die Hängepartie-Politiker wird immer dünner.

Nun wird die zuständige Dezernentin Simone Raskob so zitiert: „Wir können uns nicht ausruhen. Wir müssen die Grenzwerte überall einhalten.“ Doch: ausruhen wovon? Bislang hat die Stadt Essen nicht viel getan, außer schöne Pläne aufzustellen und die Mittel, die der Bund bereitgestellt hat, unter einer kleinen Zahl von Menschen zu verteilen, die nun eine Zeitlang kostenlos oder zu ermäßigtem Preis innerhalb der Stadtgrenzen mit der Ruhrbahn fahren dürfen.

Haben wir irgendwo einen Ansatz hin zur Verkehrs-, gar zu einer Mobilitätswende gesehen? Nein, darum geht es den Verantwortlichen nicht. Hauptsache es gelingt ihnen irgendwie – zur Not über das Verrücken der Messstationen – die Grenzwerte unter die Schwelle zu kriegen. Mit der Rückeroberung der Stadt durch die Menschen hat das nichts zu tun.

In den Metropolen dieser Welt, zu denen sich Essen in bekannter Vermessenheit ja gerne rechnet, wird längst an einer Zukunft ohne Verbrennungsmotoren gearbeitet. In Madrid, in Barcelona, in Paris, in Amsterdam, in London, in Kopenhagen, in Oslo, in Wien – um nur einige westeuropäischen Städte zu nennen – werden weitreichende Eingriffe in den PKW-Verkehr vorgenommen. Mutig werden Überbleibsel einer fehlgeleiteten Verkehrspolitik kassiert. Mit klaren Ansagen trauen sich die Verantwortlichen, am Umbau ihrer Städte zu arbeiten. Wir, die wir diese Städte als Tourist*innen besuchen, dürfen staunen.

In Essen aber ist die Uhr im fossilen Zeitalter stehen geblieben. Solange dies so ist, müssen wohl die Kids von „Fridays for Furure“ fleißig weiter demonstrieren.

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