Donnerstag, 1. Oktober 2020

Durchgefallen: Essen – keine fahrradfreundliche Stadt

Die Stadt Essen behauptet von sich ja gerne, viel zu tun, damit das Radfahren leichter wird. Seit Jahren ist die Stadt Mitglied der AGFS (Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise). Doch mit der Umsetzung der behaupteten Ansprüche tut sich die Stadt schwer.

Wen wundert es da also, dass Essen im gerade veröffentlichten „Fahrradklima-Test“ des ADFC im Vergleich der Großstädte auf Platz 11 von 14 landet und insgesamt auf Platz 563 von 683 abgeschlagen im letzten Fünftel aller Städte und Gemeinden liegt. Mehr als 1.000 Essenerinnen und Essener haben sich an der Umfrage beteiligt, die damit also eine breite Datenbasis hat.

Dazu der Sprecher des Kreisverbands Die Linke Essen Daniel Kerekes: „Das Ergebnis des ADFC-Fahrradklima-Tests ist eine Ohrfeige für die Stadt Essen, eine verdiente wohl gemerkt. Obwohl es allzu offensichtlich ist, dass es mit der Verkehrsbelastung in Essen so nicht mehr weitergeht, verweigern sich die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung noch immer einer ernst gemeinten Verkehrswende.“

Dabei bleibt der ADFC-Fahrradklima-Test noch sehr wohlwollend und rücksichtsvoll. Dort ist nicht die Rede vom vollmundigen Versprechen der Umweltdezernentin vor Jahresfrist anlässlich der feierlichen Einweihung der beiden Fahrradhäuschen in der Savignystraße und in der Cäsarstraße. Damals sagte sie, dies seien nur die beiden ersten Fahrradhäuschen, viele weitere sollten folgen. Für die Zeit bis heute versprach sie, die Stadt Dortmund, wo es aktuell auch nur 14 solcher Häuschen gibt, auf die Plätze zu verweisen. Allein, daraus ist nichts geworden: Die beiden mit Mitteln des Grüne-Hauptstadt-Jahres finanzierten Fahrradhäuschen sind nicht die ersten, sondern bis heute die einzigen.

Dazu Marion Wegscheider, Sprecherin des Kreisverbandes Die Linke Essen: „Es ist ein Armutszeugnis, wenn die Stadt glaubt, ihre Pflicht erfüllt zu haben, indem sie zwei Fahrradhäuschen hinstellen lässt und es dem ADFC überlässt, sich um alles weitere zu kümmern.“

Und wie sieht es mit der Einrichtung sog. Umweltspuren oder des Weiterbaus des Radschnellwegs 1? Überall wird gezögert, gezaudert und gebremst.

Der fehlende Wille in Essen lässt sich auch an den Investitionen ablesen, die in die Fahrradinfrastruktur gehen: Während in Kopenhagen zuletzt stolze 35,60 Euro (pro Kopf und Jahr) ausgegeben wurden und in Amsterdam immerhin noch 11,00 Euro, sind es in Berlin nur 4,70 Euro. In Essen belaufen sich die geplanten Ausgaben gemäß Haushaltsplan für 2019 auf 651.250 Euro, also etwa 1,10 Euro und für 2020 auf 711.470 Euro, also etwa 1,20 Euro pro Kopf. Dies lässt nur einen Schluss zu: In Essen wird auch im Jahr 2020 Verkehrspolitik des vergangenen Jahrtausends betrieben.

Mit diesem Befund bleibt die bittere Erkenntnis: In Essen ist der Weg zur Verkehrswende weiter als bis zum nächsten Skandal. 

Daniel Kerekes dazu abschließend: „Die Linke fordert die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik auf, endlich ernst zu machen mit der notwendigen und überfälligen Verkehrswende in Essen. Die Menschen wollen sie, die Umwelt braucht sie.“

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