Freitag, 25. September 2020

Rat befürwortet Olympia

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Mit den Stimmen der Großen Koalition, der FDP und des EBB hat der Essener Stadtrat im Februar beschlossen, die Bemühungen des Vereins „Rhein Ruhr City 2032“ für eine Bewerbung von 14 Städten im Rheinland und im Ruhrgebiet für die Olympiade 2032 zu unterstützen. Damit ist die Ratsmehrheit einschließlich der SPD, die im Landtag Opposition ist, dem Wunsch von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gefolgt. Ein gemeinsamer Antrag der Ratsfraktionen DIE LINKE und Bündnis 90/Grüne, möglichst bald die Bürgerinnen und Bürger in einem Volks- oder Ratsbürgerentscheid zu Wort kommen zu lassen, wurde abgelehnt.

Damit hat die Ratsmehrheit Fakten geschaffen, obwohl sie gar nicht weiß, auf was sie sich einlässt. Bisher liegen nämlich keine auch nur halbwegs soliden Aussagen über Kosten und Nutzen einer Olympiade in der Region vor. Allein die letzten Bewerbungen waren mit 30 bis 50 Milionen Euro Kosten geplant. Während der Ministerpräsident lustig durch die Lande reist und Fakten schafft, gibt es weder von ihm noch vom Bund eine Zusage über Zuschüsse. Die gerade im Ruhrgebiet hochverschuldeten Kommunen können jedenfalls noch nicht einmal die Bewerbungskosten aufbringen, geschweige denn die Gesamtkosten.

Beispiel Hamburg: 11,22 Milliarden Euro

Zu den Kosten einer Olympiade gibt es bisher nur vage Aussagen. Von den Befürwortern wird behauptet, dass es für die meisten Sportarten in der Region bereits geeignete Sportstätten gäbe. Verschwiegen wird dabei, dass viele davon schon heute Sanierungsfälle sind. Auch die Arena von Schalke 04 oder das Stadion von Borussia Dortmund müssten zumindest auf olympische Sicherheitsstandards aufgerüstet werden. Eine Studie der Universität Oxford kam zu dem Schluss, dass vergangene Olympische Spiele am Ende Kostenüberschreitungen von durchschnittlich 252 Prozent (!) zu verzeichnen hatten, d.h. zweieinhalbmal so viel kosteten wie geplant. Für Hamburg lagen sie bei 11,22 Milliarden Euro, von denen die reiche Stadt 1,2 Milliarden Euro selbst tragen sollte.

Der Olympische Gedanke, der den sportlichen Wettstreit „Dabeisein ist alles“ in den Vordergrund stellt, steht für das positive Ziel der Völkerverständigung. In der Praxis jedoch hat das Olympische Komitee seit vielen Jahren vor allem mit Skandalen um Korruption, Bestechungsgelder, Stimmenkauf und Höchstgehälter von Sportmanagern von sich reden gemacht. Auch das war ein Grund dafür, warum die letzten Bewerbungen aus Deutschland – Garmisch-Partenkirchen für die Winterspiele 2022 und Hamburg für die Sommerspiele 2024 – an sehr eindeutigen Bürgerentscheiden scheiterten. Kein Wunder, dass sich auch das deutsche Olympische Komitee noch gar nicht zu der Frage geäußert hat, ob es eine deutsche Olympia-Bewerbung für 2032 überhaupt unterstützen würde. Bisher bauen Herr Laschet und die anderen Olympia-Befürworter in NRW an nicht viel mehr als einem Luftschloss. Die Ratsfraktion DIE LINKE ist in jedem Fall für eine frühe Befragung der Einwohnerinnen und Einwohner von NRW oder zumindest der beteiligten Städte. Ein solcher Entscheid könnte mit der Kommunalwahl 2020 verbunden werden. Eine Befragung erst 2024, wie sie der Chef von „Rhein Ruhr City 2032“, der Sportmanager Michael Mronz, für möglich hält, ist nach Ansicht der Ratsfraktion DIE LINKE zu spät. Zu diesem Zeitpunkt muss die Bewerbung schon eingereicht worden sein.

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