Montag, 21. September 2020

Steiger Award in Essen: Für nix und wieder nix (Teil 1)

Endlich in Essen: Der Steiger-Award! Andere haben die Goldene Kamera, den Goldenen Bären oder gar den Oskar! Und nun hat Essen endlich auch etwas: den Steiger Award. Muss ja was ganz Tolles sein, wenn OB Kufen persönlich dafür Sorge trägt, dass der von dem berühmt-berüchtigten „Promi-Vermittler“ Sascha Hellen erfundene Preis in Essen verliehen werden kann.

Auch die Presse überschlägt sich: „Zum 14. Mal erhielten Schauspieler, Musiker, Politiker und andere Prominente den Preis, der an die Tugenden eines Steigers, des Vorarbeiters im Bergbau, erinnern soll: Geradlinigkeit, Offenheit und Toleranz. Das Welterbe Zeche Zollverein als Schauplatz der Gala war passend zum Preis gewählt.“ (WAZ)

Wer kommt da hin? Vor allem viel Promis. „Heino, Senta Berger und der kroatische Premierminister Andrej Plenkovic: Promi-Auflauf beim Steiger Award – diesmal in Essen. Zum 14. Mal erhielten Schauspieler, Musiker, Politiker und andere Prominente den Preis. Das Welterbe Zeche Zollverein als Schauplatz“ war zu lesen, von BILD bis zur Wetterauer Zeitung, vom Stern bis zum Donau-Kurier.

„Heino wurde von seiner Frau Hannelore (76) begleitet. Tischnachbarn waren Dieter Hallervorden (83) und dessen Partnerin Christiane Zander (48). Andrej Plenkovic (48) wurde für sein europapolitisches Engagement geehrt. Die Laudatio hielt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (58, CDU).“ (Bild) Die Lobrede auf Heino hielt keine Geringere als Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, besser bekannt als „Schnacksel-Gloria“, da sie seinerzeit bemerkte, dass „der Neger eben viel schnackselt“. Eine Fürstin in Essen!

Weitere Preisträger in verschiedenen unverständlichen Kategorien waren Schauspieler wie Senta Berger, Uschi Glas und Michael Mendl. Moderatorin Anne Will wurde ebenso bedacht wie Unternehmer Jürgen Großmann, der im Steiger-Anzug erschienen war. Die Reden hielten Schriftstellerin Elke Heidenreich, Musiker Götz Alsmann, Künstler Markus Lüpertz und – sieh an – SPD-Politiker Thomas Kutschaty.

Nicht zu vergessen Regisseur Hans W. Geißendörfer, der den Preis in der Kategorie „Sonderpreis“ entgegennahm. Der WDR kann da kaum an sich halten: „Mit der renommierten Auszeichnung sollen Menschen geehrt werden, … die sich auf ihrem Wege nicht beirren lassen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen‘, so die Stifter. Der Begriff ,Steiger‘ stammt aus dem Bergbau und diene als Synonym für die Gradlinigkeit und Offenheit der Bergleute.“

Renommiert? Die Stifter?

Wenn man allerdings kein herkömmliches Telefon bedienen kann, und dieses Manko scheint besonders im Ruhrgebiet weit verbreitet, dann braucht man einen – „Promi-Vermittler“! Und schon wird deutlich, wer tatsächlich von dieser sinnfreien Veranstaltung profitiert und für wen sie Sinn ergibt: Sascha Hellen.

Also, was ist das, dieser Steiger Award? Und von wem wird er „gestiftet“? Schauen wir bei Wikipedia: „Die Steiger Awards sind seit 2005 jährlich vergebene Auszeichnungen an Persönlichkeiten, die besonderes Engagement in den Bereichen Toleranz, Charity, Musik, Film, Medien, Sport, Umwelt oder Zusammenwachsen der europäischen Staatengemeinschaft gezeigt haben. … Initiiert und von Beginn an organisiert wurde der Preis von Sascha Hellen, dem Inhaber der Hellen Medien Projekte GmbH. Er finanziert die Galaveranstaltung durch Eintrittsgelder. Die Tickets liegen bei 190 Euro. Die Preisträger erhalten kein Preisgeld. Die Preisträger werden frei von Sascha Hellen ausgewählt; Kriterien sind nicht bekannt.“

Auch nicht begeistert und geradezu lakonisch stellen die „Ruhrbarone“ fest: „Der Steiger Award wird jährlich auf einer Veranstaltung verliehen, bei der es dem Organisator Sascha Hellen gelingt, Prominenten für irgendwas einen Preis in die Hand zu drücken.“ Und richtige Spaßverderber sind natürlich wieder linke Kommunalpolitiker. So schreibt das links-alternative Wahlbündnis „Soziale Liste Bochum“: „Auch nach intensiver Recherche ist es nicht gelungen, einen plausiblen Sinn für den Preis (Award = Belohnung), die Verleihung und die Veranstaltungen herauszufinden. Es sei denn, dass eine Ansammlung von Prominenten und vermeintlichen VIPs schon ein Wert an sich ist.“

Also halten wir fest: Es ist ein nichtdotierter Preis für Leute, die nichts getan haben, um irgendeinen Preis zu verdienen, er hat keinen plausiblen Sinn und wird nicht von einem Gremium und dafür völlig ohne Kriterien von einem gewissen Sascha Hellen nach eigenem Gutdünken verliehen. Vermutlich ist das Hauptkriterium, ob sie sich dazu überreden lassen, sich ein Stück Kohle in die Hand drücken zu lassen, ohne Kohle zu nehmen, und an der „peinlichsten Veranstaltung Bochums“ teilzunehmen (so ein alternatives Bochumer Stadtmagazin).

Na, wenn das kein Grund ist, sich für diese Veranstaltung in Essen stark zu machen, dachte OB Kufen, zumal er auch mal neben Uschi Glas rumstehen und klatschen darf. Wenn das eigene Licht nicht hell genug strahlt, besorgt man sich halt Sterne von anderswo, um ein bisschen Glanz abzustauben. Promis hier, Promis da – damit schmücken sich unsere Provinz-Politiker gern! Endlich kommt ein bisschen Glanz und Glamour in unsere tristen Ruhrgebietsstädte. So ist es schon in Bochum gelaufen, warum sollte es das in Essen nicht auch?

Bekanntlich haben es Hochstapler da am leichtesten, wo sie die Eitelkeiten ihrer Opfer am besten zu bedienen wissen. Da glauben diese gerne, was sie glauben wollen. Promivermittler sei er, dieser Hellen, ein Teufelskerl, der alle Promis persönlich kenne! Und so raunt man sich respektvoll zu: „Der hat sie alle in seinem privaten Telefonbuch!“ Als ob nicht jeder Schafskopf beim Management eines Promis oder Pseudopromis wie Steinbrück anrufen könne: „Ja, Schafskopf hier, wir planen ein Event und würden gerne Herrn Steinbrück dabei haben.“ – „Wie lange?“- „Zwei Stunden.“ – „Zwei Stunden? Macht 25.000 Euro!“ – „25.000? Ist ja geschenkt! Deal!“

Wenn man allerdings kein herkömmliches Telefon bedienen kann, und dieses Manko scheint besonders im Ruhrgebiet weit verbreitet, dann braucht man einen – „Promi-Vermittler“! Und schon wird deutlich, wer tatsächlich von dieser sinnfreien Veranstaltung profitiert und für wen sie Sinn ergibt: Sascha Hellen.

Wer ist dieser Hellen?

Lesen Sie dazu den 2. Teil unserer Enthüllungsstory!

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