Freitag, 25. September 2020

Wie wir die „Steeler Jungs“ los werden

Die Vorfälle in Steele häufen sich. Seit über einem Jahr marschieren die martialisch aussehenden sogenannten „Steeler Jungs (SJ)“ durch den Essener Stadtteil. Vor Wochen schossen Unbekannte auf das Kulturzentrum Grend, und Mitglieder der SJ haben Fotos von Teilnehmenden des Bündnisses „Steele bleibt bunt“ geschossen. Wie werden wir diese Typen wieder los?

Bei der Suche nach den „Steeler Jungs“ im Internet findet man unter anderem eine Facebookgruppe mit 82 Mitgliedern und „zahlreiche Beiträge von besorgten Usern“, außerdem Fotos von vermeintlichen Mitgliedern der Organisation. Man stellt schnell fest: Diese Menschen sind RWE-Fans, teilweise in der Rockerszene oder waschechte Nazis. So findet man im Profil eines „Mitglieds“ den Wahlspruch der SS: „Meine Ehre heißt Treue.“ Bei anderen finden sich Bilder der Nazi- und Hooligan-Truppe „HoGeSa“ und der „Bruderschaft Deutschland“. Es kursiert auch ein Bild aus einem Steelenser Lokal, bei dem sich jemand mit eintätowiertem Hakenkreuz auf dem Unterarm ablichten ließ.

Zweifel daran, wie diese Gruppe gestrickt ist, sind nicht mehr möglich. Die Strategie der SJ ist einfach: Sie wollen den öffentlichen Raum erobern, indem sie nicht durch politische Parolen auffallen, sondern durch ihre bloße Anwesenheit Demokrat*innen und Antifaschist*innen einschüchtern. So soll ihre martialische Präsenz zur „Normalität“ werden. Ähnliche Strategien verfolgen rechte „Bürgerwehren“ auch in anderen Städten. Im Kern ist dies eine landesweite, wenn nicht gar internationale Strategie neofaschistischer Gruppen.

Das Klima für die „Steeler Jungs“ haben jedoch andere vorbereitet: Politiker*innen wie Thilo Sarrazin, die kulturellen und biologischen Rassismus wieder salonfähig machten. Parteien wie die AfD, die offene Nazis zu ihren Mitgliedern, Parlamentarier*innen und Mitarbeiter*innen zählt. Bernd Höcke und Konsorten, die durch gezielte „Tabubrüche“ das Sagbare immer weiter nach rechts verschieben.

Die Reaktionen aus der Kommunalpolitik waren bisher verhalten, was sich nun mit einer Resolution der Bezirksvertretung VII geändert hat. DIE LINKE greift diese Initiative auf und strebt eine ähnliche Resolution für den Stadtrat an. Doch das reicht nicht. Um den grassierenden Rassismus zu bekämpfen, müssen wir breite Bündnisse schmieden und Menschen gegen rechts mobilisieren und organisieren. Dazu gehören migrantische Vereine, Gemeinden von Kirchen, Moscheen und Synagogen, Fußballfans, Gewerkschaften und viele, viele mehr.

Das bedeutet gleichzeitig, das man sich nicht mit kleinen „radikalen“ Aktionen begnügen darf. So hat z.B. der griechische Aktivist und Antifaschist Sotiris Kontogiannis einen passenden Vergleich gezogen: „Natürlich kann man Steine nehmen und diese auf die Zentren der Rechten werfen, doch was hat man davon? Am Ende gibt es ein paar zerbrochene Scheiben, und die Rechten sind noch immer da.“ Stattdessen müsse man breite Bündnisse anstreben. Solche Bündnisse führten in Griechenland dazu, dass nahezu alle Zentren der faschistischen Partei „Goldene Morgenröte“ geschlossen wurden.

Dabei dürfen unterschiedliche Positionen zu anderen Themen nicht im Weg stehen. Die einen wollen nicht mit den anderen, weil sie an sozialen Kürzungen mitgewirkt haben oder ein vermeidlich antisemitisches oder rassistisches Mitglied haben. Die einen sind lieber für Israel, die anderen für Palästina. Dritte wollen nicht mit den „Agenda-Parteien“ zusammenarbeiten. Doch im Kampf gegen rechts darf das alles keine Rolle spielen. Dort kommt man zusammen, weil man zwei Punkten zustimmt: Man ist gegen Rassismus jedweder Art und gegen Faschismus jeglicher Farbe. Ohne eine Aktionseinheit wird es keine größeren Demonstrationen, Blockaden oder Ähnliches geben. Damit drückt sich die Radikalität nicht in der Aktionsform aus, sondern in dem Ziel, das sie verfolgt, und mit welcher Leidenschaft man seine Aktivitäten ausfüllt.

Wer für Demokratie und Vielfalt und gegen Rassismus und Faschismus ist, sollte jeden ersten Donnerstag im Monat um 17.30 Uhr an der Kundgebung von „Steele bleibt bunt“ teilnehmen und sich darüber hinaus in „Essen stellt sich quer“, „Steele bleibt bunt“ oder bei der Partei DIE LINKE einbringen. Die Parlamente und Institutionen werden uns diesen Kampf nicht abnehmen.

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