Donnerstag, 22. Oktober 2020

Dann wohl doch keine Ausbildung?

Die Teilzeitausbildung ist ein Modell, das seit 2005 gesetzlich verankert ist und bereits vielen Eltern, im Besonderen alleinerziehenden Müttern, geholfen hat, trotz Kind oder Kindern, eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

Wer sich nun fragt, was es mit der Teilzeitausbildung auf sich hat, dem möchte ich einen kurzen Einblick in ihre Rahmenbedingungen geben.

Es handelt sich bei dem Angebot um ein Recht auf Ausbildung in Teilzeit für alle Menschen, die aufgrund von Familienverpflichtungen und den damit einhergehenden Betreuungsverpflichtungen eine Vollzeitausbildung nicht leisten können.

Im Wesentlichen ist es die schwierige Kinderbetreuungssituation in Deutschland, die Alleinerziehenden eine reguläre Ausbildung erschwert. Die erste Hürde besteht darin, überhaupt erst einen Betreuungsplatz vorweisen können. Ist dies der Fall, so stellen die Betreuungszeiten, genau genommen die „Randbetreuungszeiten“, ein weiteres Problem dar.

Im Idealfall liegen diese zwischen 7:00 Uhr und 17:00 Uhr. Wobei wir hier bereits von der Früh- und Spätbetreuung sprechen. Die Kernzeiten liegen eher zwischen 7:30 Uhr und 16:00 Uhr. Bei einer Vollzeitausbildung kommen Eltern dementsprechend an die Grenzen des Machbaren, wenn sie ihre Kinder pünktlich abholen wollen. Ungünstigen Verkehrsverbindungen kommen erschwerend hinzu.

Um also auch Eltern die Möglichkeit zu geben, eine solide berufliche Grundlage für sich zu schaffen, ist die Teilzeitausbildung das Instrument der Wahl. Die Problematik, dass die sogenannten Frauenberufe fast ausschließlich in Bereichen zu finden sind, die ein hohes Maß an Flexibilität, wie Früh- und Spätschicht, oder wie in den Pflegeberufen auch Nacht- und Wochenendschichten voraussetzen, möchte ich nur in aller Kürze darstellen.

In diesen Fällen ist es für alleinerziehende Mütter nahezu unmöglich, eine Ausbildung zu beginnen, es sei denn, sie haben jemanden, der für die Betreuung einspringen kann.

Für Betriebe ist dies dementsprechend leider immer noch ein Grund, keine Frauen mit Kindern einzustellen. Schon gar nicht in Teilzeit. Viele sind noch immer der Meinung, dass Frauen mit Kindern zu oft fehlen. Außerdem können sich die Arbeitgeber nicht vorstellen, dass die Frauen die Ausbildungsinhalte innerhalb einer verkürzten Wochenarbeitszeit erlernen können.

Doch weit gefehlt. Die Frauen sind in der Regel motivierter als andere Auszubildende. Des Weiteren sind sie aufgrund ihrer spezifischen häuslichen Situation einen besser organisiert, können sich schneller auf andere Situationen einstellen und sind insgesamt resistenter gegenüber Stress. Und was die zu lernenden Inhalte angeht: reguläre Auszubildende, die ihre Lehrzeit um ein halbes Jahr verkürzen, schaffen ihr Pensum schließlich auch.

Durch Corona jedoch wird es nun auch für die schwierig, die in jenen Bereichen ihre Ausbildung beginnen wollen, die normalerweise betreuungsfreundlicher sind; was die Auswahl auf sehr wenige Berufe weiter begrenzt. Der Grund: Die Betreuungszeiten wurden bis Ende August um 10 Stunden gekürzt. Dies bedeutet, dass nun auch eine Ausbildung in Teilzeit kaum zu schaffen ist, je nachdem, wie die Arbeitszeiten gelegen sind. Und ob die verkürzten Zeiten aufgrund der derzeitigen Coronalage nicht auch noch in den Herbst ausgedehnt werden, ist noch nicht abzusehen.

In jedem Fall bedeutet diese Situation für die Frauen weitere Belastungen. Sie befinden sich in einer Daueranspannung, weil sie Sorgen haben, dass selbst die verkürzte Arbeitszeit nicht ausreicht, um das Kind rechtzeitig abzuholen. Viele sind unsicher, ob sie überhaupt ihre Ausbildung beginnen können.

Und wer eine Ausbildungsstelle in Aussicht hat, kann gegenüber dem Arbeitgeber keine verbindliche Aussage machen, ob eine ausreichend geregelte Betreuungszeit gewährleistet werden kann, was wiederum dazu führt, dass der Arbeitgeber keine verbindliche Zusage gibt, ob die Frau überhaupt einen Ausbildungsvertrag unterzeichnen kann.

Es kann nicht angehen, dass Frauen mit Kindern, Corona hin oder her, im Jahre 2020 immer noch nicht frei entscheiden können, wann und wo sie ihre Ausbildung machen wollen. Es ist skandalös, dass ihnen somit die Freiheit genommen wird, sich aktiv um eine finanziell abgesicherte Zukunft zu kümmern. Und letztlich ist es ein gesellschaftlicher Rückschritt, dass Frauen somit auch weiterhin in die Rolle der Hausfrau und Mutter gedrängt werden.

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