Do. Okt 28th, 2021
Rauch eines Kraftwerks

KlimaEntscheid Essen – Ein linkes Thema?

Lange hat sich die Behauptung gehalten, dass Klimaschutz ein ausschließlich grünes Thema sei. Doch ist das wirklich so?

Die simple Antwort lautet „Nein!“.

Klimaschutz ist nicht nur wichtig, sondern in einer kapitalistischen Gesellschaft ein Thema, das sich gut vermarkten lässt. So begegnet es uns allen häufig im Alltag und versucht, uns zu emotionalisieren. Von Plakatwänden strahlen uns Produkte entgegen, die vermitteln sollen, dass wir mit unseren Konsumentscheidungen das Klima retten könnten. In Wahrheit steckt dahinter jedoch eine werbewirksam gemachte kapitalistische Ideologie, die uns vermitteln soll, dass wir für „grünen Konsum“ ruhig mehr Geld ausgeben können und damit automatisch besser wären als diejenigen, die sich diesen Konsum nicht leisten können. Dieser Ansatz ist nicht nur klassistisch, sondern lässt auch den wichtigsten Aspekt außen vor: Sinnvoller und zweckmäßiger Klimaschutz darf niemals die Frage nach sozialen Umständen vergessen. Deswegen sollte es uns ein Anliegen sein, nicht nur für Klimaschutz, sondern vor allem für Klimagerechtigkeit zu kämpfen. Klimagerechtigkeit bedeutet, dass man nicht nur die Frage nach den Kosten für den Klimaschutz stellt, sondern auch in Betracht zieht, dass gerade die Menschen im globalen Süden, die am wenigsten zur Erderwärmung beitragen, den größten Schaden durch sie nehmen und als erstes vom Klimawandel betroffen sind. Das bedeutet aber auch, dass niemand Klimagerechtigkeit zu einer Aufgabe derer machen kann, die zuerst darunter leiden. Klimagerechtigkeit beginnt im Ursprung vor unserer eigenen Haustür, auch hier im globalen Norden.

Sie ist die linke Antwort auf einen Klimaschutz, der vom Kapital genutzt wird, um die Verantwortung für den Klimawandel auf den Konsum des Individuums zu schieben. Gerade deshalb ist das Thema Klimaschutz, beziehungsweise Klimagerechtigkeit ein dezidiert linkes Thema. Wir müssen dazu auffordern, dass diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die mit ihren Fabriken und Konzernen an der drastischen Veränderung unserer Welt schuld sind. Wir kämpfen für mehr Solidarität und weniger grünen Kapitalismus, der die Reichen von ihrer Verantwortung für den Erhalt des Planeten entbindet.

Genau deshalb ist es wichtig, Initiativen vor Ort zu unterstützen, die sich für eine bessere Welt für alle Menschen einsetzen und offen für einen Dialog mit denjenigen sind, die individuellen Konsum nicht als Lösung des Problems begreifen. So eine Initiative ist der KlimaEntscheid Essen, bei dem die unterschiedlichsten Menschen mitwirken, alle mit dem selben Ziel: Unsere Stadt und unsere Welt zu einem Ort zu machen, an dem auch zukünftige Generationen gut leben können. So fordert der Entscheid eine klimaneutrale Stadt bis 2030, früher als bisher von der Stadt geplant, die erst bis 2050 klimaneutral werden will und damit dem Pariser Abkommen eine indirekte Absage erteilt. Außerdem riskiert die Stadt damit wissentlich, das 1,5-Grad-Ziel nicht zu erreichen. Um den Ratsbeschluss dahingehend aufzuhalten, hat der Klimaentscheid ein Bürger:innenbegehren eingereicht, für das nun im ersten Schritt 15.000 Unterschriften gebraucht werden. Wir als Kreisverband Essen sollten dieses Anliegen unterstützen, damit nicht nur der Klimaschutz, sondern auch die damit untrennbar verbundene Klimagerechtigkeit die Aufmerksamkeit bekommt, die sie braucht.

Autorin: Sophie Schönberger

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