Dienstag, 2. Juni 2020

Was tun in der Isolation

Als Vollzeitstudent habe ich in der Isolation weniger zu tun: Man merkt aber auch erst, wie viel Zeit man in der S-Bahn verbringt, wenn die Quarantäne kommt. Lese-, Video- und Spieltipps von Jannis Wahoff

Natürlich bleibt da die tägliche Hausarbeit; wenn die Mensa zu ist heißt dass ich muss mehr richtig kochen. Und wenn ich die ganze Zeit in der Wohnung bin heißt das tendenziell sogar mehr putzen als vorher. Aber das alles von einer Person für eine Person macht noch nicht den Tag voll, sonst würde menschliches Wirtschaften ja gar nicht funktionieren. Und dann ist da noch dass Semester, was mittlerweile angeblich angefangen hat. Doch entgegen allen Erwartungen schaffen es die Unis auch nicht annäherend, Präsenzveranstaltungen vernünftig in die Cybercloud zu verlegen. Und so bleibt viel Zeit, dies es gilt zu füllen. Den nie ist Zerstreuung wichtiger als in einer Krise von einem Ausmaß, was die meisten von uns noch nie miterlebt haben.

Lesen: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte von Karl Marx

Im schrecklich benannten Brumaire beschreibt Marx das geschehen nach der Französischen Revolution von 1848. Nachdem die Monarchie gestürzt wurde, war in Louis Bonaparte wenige Jahre später ein neuer Herrscher aufgestiegen. Nicht nur ist die damalige Entwicklung spannend, der Bonapartismus ist auch ein wichtiges Werkzeug zur Analyse vieler heutiger Autokratien. Mit Marx Analyse von damals kann man zum Beispiel erklären, warum der Arabische Frühling so desaströs endete.

Streaming: Star Trek: Deep Space 9

Wie andere „Star Trek“-Serien spielt Deep Space 9 (DS9) in der fernen, post-kapitalistischen Zukunft, in der die Menschen in einer utopischen Föderation mit vielen anderen Spezies auf der Suche nach fremden Welten und neuen Lebensformen die Sterne bereisen. Anders als die übrigen „Star Trek“-Serien spielt DS9 nicht auf einem Raumschiff, sondern auf der Raumstation Deep Space 9. DS9 ist eine ehemalige Raffineriestation beim Planeten Bajor, dessen Bewohner sich erst kürzlich von einer Besatzung durch das faschistische Cardassianische Imperium befreiten. Die streng gläubigen Bajoraner führten über jahrzehnte Guerillakrieg gegen die Besatzer und die Bajoraner haben die Föderation, vor allem zum Schutz gegen eine Rückkehr der Cardassianer, eingeladen Deep Space 9 zu verwalten. 

Ich würde jedem, der sich in der Pandemie-Isolation langweiligt DS9 ans Herz legen. Die Serie guckt sich nicht nur sehr gut, die Folgen sind immer gut geschrieben und die Schauspieler spielen die Rollen fabelhaft. Die geopolitischen Intrigen erinnern an Game of Thrones, wobei DS9 ja zuerst da war. Dazu behandelt DS9 heute immer noch brennende gesellschaftliche Fragen.

Backen, backen, backen!

Ich bin ein großer Fan von Backwaren. Und in der Isolation finde ich viel öfter als sonst die Zeit, meine Wohnung in ein Bollwerk des Backens zu verwandeln. Backen macht Spaß, das Spülen danach weniger. Und ja, Kuchen schmeckt einfach gut. In der Zeit der Isolation habe ich den Kuchen aus dem Computerspiel „Minecraft“ nachgebacken und einen Kuchen mit dem Thema der russischen Revolution (Mit Russisch Brot)! Mehl wird ja auch oft gehamstert. Mein lokaler Bäcker verkauft deshalb auch Mehl direkt von der Großhandelslieferkette, also wenn euer lokaler Supermarkt keins mehr hat, guckt vielleicht beim Bäcker.

Zocken: Rimworld

Auch das Computerspiel Rimworld spielt in der fernen Zukunft. Im Standardszenario beginnt man mit drei zufälligen Personen, die von ihrem beschädigten Raumschiff auf eine unerschlossene Randwelt (daher der Name Rimworld) entkommen sind. Die Randwelt ist unerschlossen, aber alles andere als unangetastet: die Flora und Fauna ist eine Mischung aus bekannten Arten und Genmanipulierten Lebensformen, wie die Boomalope, eine Antilope, die Treibstoff produziert und dementsprechend explodieren kann. Der Spieler verwaltet dann seine Kolonisten, muss ihre Bedürfnisse stillen, Überfälle von Banditen und tollwütigen Tieren abwehren und sich sich ändernden Bedingungen anpassen. Ziel ist es, von der Randwelt zu entkommen. Allerdings ist ein Raumschiff Ressourcenintensiv, eine technische Herausforderung und zieht Horden von Banditen an. Ich persönlich bin von noch keiner Randwelt entkommen.

Jannis Wahoff studiert Soziologie und ist Aktivist bei DIE LINKE. Essen.

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