Mo. Okt 25th, 2021

Corona kostet – Studierende zahlen!

Für die Rückzahlung der Semesterbeiträge

Wir alle wissen und spüren es längst: Corona kostet nicht nur Nerven, sondern echtes Geld. Viele Menschen sind in Kurzarbeit, etliche Selbstständige kriegen keine Aufträge rein oder dürfen ihr Geschäft nicht aufmachen. Es geht ans Eingemachte.

Die Appelle der „großen Politik“, dass wir durch die Krise nur gemeinsam kommen, klingen inzwischen wie Hohn, wenn zugleich die einfachsten Versprechen nicht eingehalten werden, während die großen Unternehmen Extraprofite einstreichen und der Superreichtum noch weiter pervertiert.

Da mag es als Kleinigkeit abgetan werden, dass auch und vor allem Studierende von der Krise betroffen sind. Die typischen Jobs (z.B. in der Gastronomie) sind ersatzlos weggebrochen, andere Einnahmen nicht in Sicht. Die Kosten aber laufen ungeschmälert weiter – von der Miete bis zu den Kosten des Studierens selbst.

Der Semesterbeitrag beläuft sich mit geringen Unterschieden an den Hochschulen im Ruhrgebiet auf etwa 320,- Euro. Von diesen 320,- Euro entfallen (seit Jahren stark steigend) knapp 210,- Euro auf das so genannte Semesterticket, also das Recht, öffentliche Verkehrsmittel in NRW nutzen zu dürfen. Weitere knapp 100,- Euro gehen als so genannter Sozialbeitrag ans Studierendenwerk, womit die typischen Einrichtungen wie die Mensa und so weiter bezahlt werden. Ein kleiner Rest von unter 20,- Euro verbleibt als Studierendenschaftsbeitrag.

Das sind alles keine großen Beträge, gerade mal gut 53,- Euro im Monat, und doch kann es der berühmte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Gerade vor diesem Hintergrund, aber erst recht unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen, fordern wir die vorübergehende Reduzierung des Betrags – für das Sommersemester 2020 und das Wintersemester 2020/21 und gegebenenfalls auch für das Sommersemester 2021. Die Rückzahlung mindestens der Hälfte des Betrags halten wir für angemessen.

Zur Verdeutlichung: Seit dem Sommersemester 2020, also seit inzwischen einem Jahr, findet faktisch kein Unterricht an den Hochschulen mehr statt. Die allermeisten Veranstaltungen sind längst an den häuslichen Bildschirm verschoben. Die Infrastruktur der Hochschule wird also gar nicht mehr genutzt. Die Mensen sind genauso geschlossen wie die Bibliotheken oder die Einrichtungen des Hochschulsports. Die Hochschulen (und die Studierendenwerke) sparen sich jeden Tag viel Geld, weil kein subventioniertes Essen ausgegeben werden muss und die Hörsäle und Seminarräume nicht geputzt werden müssen. Sehr wahrscheinlich sind viele Beschäftigte in Kurzarbeit.

Aber wenn keine Seminare oder Vorlesungen an den Hochschulen stattfinden, entfällt darüber hinaus ein wichtiger Grund für die Nutzung von Bussen und Bahnen. Wenn sämtliche Freizeiteinrichtungen ebenfalls zu sind, gibt es erst recht keinen Grund mehr, die sowieso spärlichen Angebote der Verkehrsunternehmen zu nutzen.

Anders als „gewöhnliche“ Abo-Kund:innen können Studierende die Kosten für das Semesterticket auch nicht pausieren, die Kosten laufen also ohne jede Inanspruchnahme einer Dienstleistung weiter.

Okay, früher hätte man sagen können: Was soll‘s, die verdienen später im Leben schon genug Geld, das tut denen nicht weh. Aber erstens ist das unsolidarisch und zweitens unfair und drittens längst nicht mehr wahr. Immer mehr Studierende gehören im Berufsleben nicht mehr selbstverständlich zu den Gutverdienenden.

Deshalb: Zurück mit dem gezahlten Geld, für das es keine Gegenleistung gegeben hat.

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