Samstag, 27. Februar 2021

Ein Jahr Corona-Pandemie in Essen

Vor fast einem Jahr, am 01. März 2020, trat in Essen der erste Corona-Fall auf. Seitdem ist viel passiert. Zeit, um einen Blick zurück zu werfen.

In Essen sind seit dem Ausbruch der Pandemie mehr als 16.000 Essener:innen am Coronavirus erkrankt, die aktuelle Inzidenz ist weiterhin zu hoch, und das obwohl wir immer noch unter weitreichenden Einschränkungen im öffentlichen Leben zu leiden haben. Zeitgleich wird ab dem 08. Februar im neu eingerichteten Impfzentrum in der Messe Essen geimpft – endlich! Während andere Bundesländer damit schon viel weiter sind, konnte in Nordrhein-Westfalen erst jetzt mit den Impfungen außerhalb von (Pflege-)Einrichtungen begonnen werden.

Hinter diesen Zahlen stehen auch Schicksale: So hat die Parfümerie-Kette Douglas vor, die Hälfte ihrer Filialen in Essen zu schließen, und zwar die Filialen in der Innenstadt und in Altenessen. Damit verlieren rund 25 Beschäftigte ihren Job. Und dies ist nur eine der zahlreichen negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft, welche die politischen Entscheidungsträger in der Coronakrise zu verantworten haben.

Verantwortlich ist an erster Stelle die Bundesregierung, die aktuell auch Solo-Selbstständige und andere kleinere Selbstständige im Regen stehen lässt. Immer lauter werden die Beschwerden, dass die Novemberhilfen noch nicht ausgezahlt sind. Das betrifft natürlich auch Betriebe in Essen. Zum Beispiel die Celona Gastro GmbH, die zwei große Restaurants in Borbeck und Steele und ein kleineres Ladenlokal in der Innenstadt betreibt. Die Celona GmbH macht regelmäßig auf Facebook darauf aufmerksam, dass sie die versprochenen Hilfen der Bundesregierung seit Winter letzten Jahres nicht erhalten habe und langsam Sicherheiten brauche. Auch um ihre Beschäftigten weiter halten zu können.

Zu allem Überfluss befindet sich Essen laut einer Studie des Beratungsunternehmens FTI-Andersch bezüglich des Erholungspotenzials nach der Krise auf Platz 43 von 52 Städten. Nicht, dass ein neoliberales Unternehmen vorgeben sollte, wie Stadtpolitik gestaltet werden müsste. Dennoch unterstreicht das die Befürchtung, dass die Stadt Essen, und vor allem ihre Einwohner:innen, noch schlechter dastehen als zuvor.

Die Stadt Essen sollte sich deshalb von ihrer übertriebenen kommunalen Sparpolitik verabschieden, einen Altschuldenfonds (auch für andere Städte im Ruhrgebiet) voranbringen und in die öffentliche Infrastruktur investieren – zum Beispiel in eine Neugestaltung der Essener Innenstadt, die zum Verweilen einlädt – egal wie groß das Budget ist! Nur so können wir die Schäden der Pandemie für die Mehrheit der Menschen abmildern und die Ungleichheit in der Essener Stadtgesellschaft nicht noch weiter vorantreiben.

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