Sonntag, 16. Mai 2021

Impfchaos mit Ansage

Impfen kann nur, wer Impfstoffe hat.

Noch immer hat uns die COVID-19 Pandemie fest im Griff. Seit fast einem Jahr leben wir mit teils erheblichen Einschränkungen im privaten und öffentlichen Leben, um das Virus soweit wie möglich einzudämmen. Die Bilanz dessen sieht allerdings dürftig aus: Seit Beginn der Pandemie sind dem Virus in Deutschland bereits fast 67.000 Menschen zum Opfer gefallen und über zwei Millionen Menschen waren oder sind nachweislich infiziert.

Schon sehr früh wurden alle Hoffnungen in die Entwicklung geeigneter Impfstoffe gesteckt, fast so als wäre es damit getan. Noch Anfang des Jahres wurde von Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) zugesagt, bis Juni allen Impfwilligen in Deutschland ein Impfangebot machen zu wollen. Woher die hierfür nötigen Impfdosen allerdings kommen sollen, wurde bei diesem Versprechen offenkundig nicht bedacht. Die Folge ist das zu beobachtende Impfchaos in der ganzen Republik und insbesondere auch in NRW. Und auch in Essen läuft die Impfkampagne schleppend: Gerade einmal 28% der über Sechzigjährigen sind in Essen bereits geimpft. Es fehlt an Impfzentren, medizinischem Personal und besonders am Impfstoff selbst.

Der Engpass bei der Versorgung mit Impfstoffen ist den fehlenden Produktionskapazitäten der Produzenten (in Deutschland vorrangig die Firmen Biontech/Pfizer und Moderna) geschuldet. Wer herstellen darf, entscheiden die Besitzer des Patents. Firmen, die also technisch zur Herstellung der Vakzine in der Lage wären, dürfen dies nicht. Die Essener Ratsherrin Theresa Brücker (DIE LINKE) fasst die Lage folgendermaßen zusammen: „Die meisten Impfzentren sind noch immer weit entfernt davon, voll ausgelastet zu sein. Das liegt am Impfstoff, der ja bekanntermaßen nicht ausreichend verfügbar ist. Wenn die Patente freigegeben werden, können auch andere Unternehmen in die Produktion miteinsteigen. Dem Ende der Pandemie kämen wir so schon deutlich näher.“

Noch ist dieses Ende in weiter Ferne und wird es vermutlich auch bleiben, falls die Vakzine nicht in ausreichend großen Mengen hergestellt werden. Die Legitimation für die jetzige Herstellungspraxis bleibt indes zweifelhaft. „Wenn Forschung für Impfstoffe richtigerweise mit öffentlichen Geldern finanziert wird“, so Brücker weiter, „dürfen die Profite, die aus den Ergebnissen erwirtschaftet werden, nicht einfach bei diesen Unternehmen bleiben“.

Wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickelt, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Es muss schnell gehandelt werden, bevor sich die Lage weiter zuspitzt.

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