Donnerstag, 15. April 2021
Verschiedene Laborgläser

Das Problem mit der Blutspende

Schon seit Jahren ist die Blutspende in den deutschen Medien ein viel diskutiertes Thema. Die Konserven sind knapp, die Spender zu wenige und gespendetes Blut kann nur für etwa 42 Tage gelagert werden. Doch es wird dringend benötigt.

Krebserkrankungen machen beispielsweise ganze 19 % der verwendeten Spenden aus, dicht gefolgt von Magen- und Darmkrankheiten und Herzerkrankungen zu jeweils etwa 16 %. Für die Behandlung von Unfallpatienten werden tatsächlich nur etwa 12 % des Blutes eingesetzt.

Zu Corona-Zeiten sanken die Spenderzahlen noch tiefer als zuvor. Das Deutsche Rote Kreuz gibt an, dass der aktuelle Blutvorrat nur noch für etwa anderthalb Tage reiche, was eine hohe Differenz zum Normalwert von circa vier Tagen darstellt und dazu führt, dass vielen Krankenhäusern nur 40 % der eigentlich bestellten Blutmenge ausgeliefert werden können.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, bieten viele private Spendedienste monetäre Vergütungen als Aufwandsentschädigung an. Der Haken: Viele Menschen, die spenden möchten, dürfen nicht. Noch bis 2017 durften schwule und bisexuelle Männer überhaupt kein Blut spenden und auch jetzt wird ein volles Jahr der sexuellen Enthaltsamkeit vorausgesetzt, um das Risiko der HIV-Übertragung zu verringern.

Doch längst haben sich die Methoden zur HIV-Ermittlung verbessert. Bereits nach drei Monaten kann eine Infektion mit dem HI-Virus durch Labortests vollständig ausgeschlossen werden.

Das Risiko auf eine Infektion mit HIV besteht, genau wie bei heterosexuellen Personen, im Falle des häufigen Partnerwechsels. Warum also werden queere Männer als eigene Gruppe hervorgehoben, wenn sexuell „überdurchschnittlich“ Aktive mit mehr als drei Partnern innerhalb eines Jahres ohnehin für 12 Monate nach ihrem letzten sexuellen Kontakt von der Spende ausgeschlossen sind?

Das gezielte Hervorheben dieser Gruppe trägt lediglich zu ihrer weiteren Stigmatisierung bei und ignoriert die Existenz monogamer Schwuler vollständig. Insbesondere private Spendendienste neigen dazu, die offiziellen Richtlinien zu ignorieren und teils fragwürdige Hausregeln aufzustellen. Um diese zu begründen, beziehen sie sich auf einen Brief der Bundesärztekammer aus dem Jahre 2012, welcher keine Richtlinien, sondern „Empfehlungen“ beinhaltet, die auf veralteten Annahmen basieren.

So werden Transfrauen dort als „Männer, die mit Männern schlafen“ bezeichnet. Transmänner kommen überhaupt nicht vor, ganz so, als ob es sie nicht gäbe.

Ein direktes Zitat besagt: „Da sich viele Transsexuelle, die eine vollständige Geschlechtsumwandlung anstreben, beruflich ausgegrenzt und gesellschaftlich diskriminiert fühlen, arbeiten viele als Prostituierte, um auf diese Weise nicht nur den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch die Operationskosten zu erwirtschaften.“

Das ist faktisch falsch, abwertend und mehr als anmaßend. Zeitgleich führen diese Fehlinformationen oft zum kompletten Ausschluss von Transmenschen, obwohl ihre Identität nichts über ihr Sexualleben aussagt. Sich ernsthaft auf ein solches Dokument zu beziehen, hat keinerlei Rechtfertigung.

Die Forderungen der Petitionen zur Änderung der Richtlinien mit teils mehreren zehntausend Unterschriften verlaufen im Sand und finden keine relevante Beachtung. So fasste Lucas Hawrylak, der mit seiner Petition über das Verbot von Konversionstherapien bereits einen Erfolg vermerken konnte, passend zusammen:

Männer, die Männer lieben, dürfen in Deutschland heiraten, Kinder adoptieren und Organe spenden – aber Blut spenden, das dürfen sie nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.